Karski: Mein Bericht an die Welt

IMG_9350Jan Karski wurde weltbekannt als einer der beiden polnischen Offiziere, die sich unter Lebensgefahr in den nationalsozialistischen Vernichtungsapparat in Polen einschleustne, um der Welt Augenzeugenberichte ueber den nationalsozialistischen Massenmord zu liefern. Innerhalb des vorliegenden Buches bildet Karskis tollkühnes Observierungsabentuer jedoch nur einen Aspekt – in der Hauptsache geht es um die Darstellung der  Geschichte der polnischen  Widerstandsbewegung gegen die deutsche Besatzungsmacht  waehrend des Zweiten Weltkrieges.

Das Buch beginnt mit kurzen biografischen Notizen und der Einberufung des jungen Karski als Offizier der polnischen Armee im unmittelbaren Vorfeld des Zweiten Weltkrieges. Bedrueckend, wie uninformiert die polnische Oefffentichkeit in die Katastrophe ging, es bestand voellige Unkenntnis ueber die Leistungsfaehigkeit der deutschen Kriegsmaschinerie war und regelrecht makaber wikrt die Siegeszuversicht, die die Polen beim Ausbruch des Krieges beherrschte. Es folgt die blitzschnelle und voellige Niederwerfung Polens durch den Zangenangriff der Deutschen und Russen im September 1939.  Karski geraet in russische Gefangenschaft (gottlob nicht in Katyn), kann jedoch in  die deutsche Zone fliehen, wo er untertaucht und sich der polnischen Widerstandsbewegung anschliesst.

Diese Widerstandsbewegung, die sich nach dem Untergang Polens als ein „Staat IMG_8723im Wartestand” verstand, gliederte sich in  vier Abtielungen. Die erste Abteilung war die politische Fuehrung, die im Exil in London sass, die zweite war die bewaffnete Macht, die sogenannte „Armija Krajowa (Heimatarmee), die dritte das „Parlament im Untergund”, in dem sich die massgeblichen politischen Kraefte des Landes austauschten, und die vierte Abteilung arbeitete als eine Art Geheimpolizei, die Strafen ueber „Smalzownics”  ( Verraeter), Kollaborateure und besonders belastetete deutsche Amtstraeger verhaengte und exekutierte – unabhaengig von den oft gnandenlosen kollektiven Vergeltungsaktionen der deutschen Besatzungsmacht.

Karski operiert zuerst in Suedpolen, erledgte Kurierdienste und wurde schliesslich in den Karpaten gefangengenommen. Grausam gefoltert gelingt ihm mit Hilfe der Untergrundbewegung die Flucht und das erneute Untertauchen unter neuer Identitaet in Warschau. Dort arbeitete er in der Presse- und Propagandastelle und unterstuetzt die „kleinen Woelfe”, eine Gruppe waghalsiger junger Polen, deren Aufgabe es war, die Besatzungsmacht mit oeffentichen Aktionen  laecherlich zu machen. Allerdings ging die Armia Krajowa auch erheblichhaerter zur Sache.  Neben Sprengungen, Sabotagen und gezielten Toetungen werden duetsche Soldaten planmaessig mit den Geschlechtskrankheiten der Prostituierrten infiziert, die man ihnen zufuehrt. Wesentliches Schmiermittel des Widerstandes waren Bestechungen und Erpressungen im Kontakt zu Scharzhaendlern und den baltischen und ukrainsichen Soldaten,  die an der Seite der Deutschen das Land beherrschten.

Erst im Jahre 1942 erreichen die polnische Untergundleitung Informationen 4 (40)ueber die Existenz  von Vernichtungslagern, in denen die juedische Bevoelkerung zu Hunderttausenden ermordet wird. Bei einem getarnten Besuch im Warschauer Ghetto erfahrt Karski Details ueber die bereits voll  angelaufene Massenvernichtung  Voller Verzweiflung fordern die juedischen Raete, dass sich die polnsiche Exilregierung dafuer einsetzen soll, dass als Vergeltung fuer diese ungeheurlichen  Verbrechen alle Deutschen ausserhalb von Hitlers Machtbereich gefangengenommen und oeffentlich hingerichtet werrden sollen. Schliesslich gelingt es Karski mit  Hilfe eines bestochenen ukrainischen Waechters bis zur Verladestation Izbica vorzudringen wo er mitansehen muss, wie Tausende Juden in Eisenbahnwaggons  zusammengepresst werden, um im benachbarten Lager von Belzec vergast zu werden. Diese zehn Seiten des Buches (481-490) gehoeren zu den bedrueckensten Passagen des ganzen Werkes, aber auch zu den Ereignissen, die in London und Washington zuerst nicht geglaubt werden. Selbst nach einer Zusammenkuf t mit Praesident Rosseveld fuehren die neuen Erkenntnisse ueber die deutschen Massenmorde zu keiner wesentlichen Veraenderung der alliierten Kriegsfuerung.

Da fuer Karski nach der brutalen Unterjochung Polens durch die Kommunisten kein Platz mehr in seiner Heimat war, liess er sich nach dem Krieg in den USA nieder und unterrichtete als Professor an der Georgetown Uniersitaet von Washginton.  Seine „Bericht an die Welt” wurde im englischen Sprachraum ein Welterfolg, in Frankreich glang es der Linken lange Zeit, das Erscheinen des Werkes zu verhindern, weil es auch das verbrecherische Wirken der Kommunisten zur Sprache kommt. Immerhin erging es Karski alles in allem erheblich besser als dem zweiten Held des polnsischen Widerstandes, Witold Pielecki, dem es sogar gelungen war, sich in das KZ Auschwitz hineinzuschmuggeln, wieder zu fleihen und seinen eigenen Augenzeugenbericht nach London zu melden. Pielecki wurde als polnischer Patriot  nach dem Zweiten Weltktig von den kommunistischen Machthabern in Warschau in einem politischen Schauprozess verurteilt und hingerichtet.

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Denkmal fuer die Opfer des kommunistischen und nationalsozialistischen Totalitarismus in Lemberg ( ehemals Polen)

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